Chronik

Umfangreiche Arbeiten am Heimatbuch führten vor Jahren unseren ehemaligen Hauptlehrer Rektor Franz Etzler i. R. zum Schießbuch mit Gründungsdatum 1893.

Diverse Protokolle über Eröffnungsschießen und Schießabende mit genauer Buchführung zeugen von reger Vereinstätigkeit.

Die Mitgliedschaft, der Gesellschaftstag und die Schießregeln wurden durch eigenhändige Unterschrift erklärt bzw. anerkannt. Die ersten Jahre wurde der Beitrag je Schießabend durch die gesamt geschossenen Ringe bis zur Zahl 50 fehlender Ringe mit je einem Pfennig „gebüßt“. Die besten Schützen hatten somit einen geringen Beitrag zu leisten.

Später folgte ein einheitlicher Beitrag mit 50 Pfennig. Der erste Preis war z. B. 45 Pfennig, der zweite Preis 40 Pfennig, usw. Die Letzen gingen leer aus. Wer nicht zum Gesellschaftsabend erschien, wurde mit Strafe gelegt.

Nicht nur die Abrechnung wurde genau mit einzelnen Namen festgehalten, das Mitglied wurde mit „Herr Schütze“ tituliert. War der preußische Stil im damaligen Kaiserreich Deutschland auch im dörflichen Vereinsleben in Steindorf zu finden?

Mitgliedsnamen wie Keil Franz, Lichtenauer und Pschorr bezeugten die freundschaftliche Beziehung zu den Orten Hausen und Hofhegnenberg.

Aktive Schützen waren hiesige Lehrer und Pfarrer wie Burkhard Dauhrer, Gerstdorfer, Vogl, Krätz und Westner.   

Die verschiedenen Schießvarianten nannten sich Spekulier Bartl, Bartl mit Herz u. Eichel, Bartl auf Scheibe, Flecklschießen. 

Die Schießscheiben wurden per Hand gesteckt, der „ Ziller/Zieler“ erledigte diese Arbeit für 50 Pfennig Lohn.

 

 

Das Vereinslokal war das Gasthaus im Zentrum von Steindorf. Zur typischen Dorfwirtschaft gehörte damals eine Landwirtschaft und eine kleine Metzgerei. Der damalige Inhaber Lindenmüller gab 1900 den Betrieb ab. Ostermeir aus Wabern und seine Frau (geb. Keil, Hofhegnenberg), die den Betrieb übernahmen, hatten fünf Töchter. Dies scheint mit ausschlaggebend gewesen zu sein für die positive Entwicklung der Schützengesellschaft. Ostermeier Elisabeth heiratete 1928 Glas Martin aus Hausen, der den Betrieb übernahm und den Namen gab.

Für die Jahre des ersten Weltkrieges 1914-1918 gibt es keine Aufzeichnungen. Die Männer wurden an die Front berufen. Einige Kameraden sahen die Heimat nicht wieder.

1919 sammelten sich einzelne Dorfbewohner zu einem neuen Start in der Vereinsgeschichte. Bei guter Beteiligung wurden wieder regelmäßig Schießabende am Wochenende gehalten. Christbaumfeiern, Tanzabende u. Theateraufführungen hatten die Vereinsmitglieder kreiert.

Die politische Situation in der neu entstandenen Weimarer Republik wurde im Vereinsprotokoll sichtbar. Einnahmen und Ausgaben erreichen durch die Inflation utopische Dimensionen.

Im Schießjahr 1922 wurden 14 Einlagen von je 100, -- M getätigt. Ursache bzw. Hintergründe sind nicht bekannt. Saß das Geld durch die galoppierende Inflation locker? Waren größere Investitionen geplant?

Das Kassenbuch Januar 1923 zeigt die Wertlosigkeit der Mark deutlich. Die Christbaumfeier brachte 57.240 Mark ein.

Der sonst jährliche Kassenabschluss wird Ende 1923 Anfang 1924 monatlich erstellt. Die Währungsreform wertete 1 Billion Mark auf 1 Rentenmark, später Reichsmark ab.

Nach Krieg und Geldentwertung blühte in den zwanziger Jahren ein reges Dorfleben auf. Inspiriert vom weiblichen Geschlecht wagten sich die Schützen an‘s Theaterspiel. „Der siebte Bua“ oder die Operette „Der Jäger aus der Pfalz“, gespielt im Gasthaus Eder, waren ab 1926 herausragende Ereignisse.

Beim Kauf von Theaterrollen, Regiebuch und Klavier taucht 1926 der Name Schießgesellschaft bzw. Schützengesellschaft Kraglfing auf. Anlass war wohl ein Theaterstück, in dem der fingierte Ort Kraglfing eine besondere Rolle spielte.

Tanz und Faschingsball waren gefragt. An Weihnachtsfeiern in Egling, Eresried, Hausen, Hof, Schmiechen und Steinach wurde der „Gipfel" gesteigert.

Ab Mitte der dreißiger Jahre stiegen die Ausgaben wie: Lustbarkeitssteuer, Armenabgabe, Beitrag Schützenbund, Zeitung Bayer. Schützenverb., Winterhilfswerk u. Sportgroschen, Zeitungsgeld „der Diewart“, Beitrag für Musik b. Oktoberfest, Beitrag an Reichsbund f. Leibesübungen, Beitrag N.S.V. v. Ofersch., Der Deutsche Schütze, Dankopfer der Nation, Allgemeine Bay. Schützenzeitungen, Zeitung Volks- u. Leibesübungen.

1939 nahmen mehrere Schützen nicht mehr an den Schießabenden teil. Sie wurden zur Wehrmacht einberufen. Tod, Verwundung und Gefangenschaft durch den zweiten Weltkrieg brachte Leid und Schmerz über die Familien.

Nach Entwaffnung (Abgabe aller Waffen), mehrjährigem Schießverbot, Verdoppelung der Einwohnerzahl Steindorf´s durch die Vertriebenen begann 1951 der Schießbetrieb mit hoher Beteiligung. Lt. Protokoll stellte freundlicherweise Herr Hans Huber (Goberbauer) das Gewehr zur Verfügung.

Mit Spenden musste das leere Vereinsbudget gefüllt werden. Am 1. Dezember 1951 wurde ein Walter Luftgewehr (DM 98,--) mit Tasche gekauft. Neue Namen wie Braß, Etzler, Dostal, Imhofer, Müller, Pudil, Sepp, Spangenberg, Walk und Zobrist bereicherten das Mitgliederverzeichnis.

Die Königschießen wurden für die ganze Ortschaft mit Gartenkonzert und Tanz verbunden. Zu den Weihnachtsfeiern spendeten die Bürger Naturalien wie Wurst, Fleisch, Seifen, Torten und Zigaretten.

Zur Weihe der neu angeschafften Fahne wurde ein großes Fest im Juni 1957 veranstaltet. Als Patenverein konnte Eichenlaub Hörbach gewonnen werden. Die Schirmherrschaft übernahm Landrat Raadts aus Fürstenfeldbruck. 29 Vereine feierten mit Herrn Pfarrer Heinrich Zeller den Gottesdienst. Er wies auf den sicheren Stand und die klaren Augen für das Leben hin, das die Schützen mit guten Christen verbindet. Festwirt beim Festplatz an der Linde war Martin Glas.

Mit den Nachbarvereinen und dem Patenverein Hörbach bereicherten Vergleichsschießen die Saison. Zu den kulinarischen Besonderheiten zählte in den sechziger Jahren das Rehbockessen. Gartenfeste und Grillabende mit der Steindorfer Blaskapelle im hiesigen Lagerhaus waren fest eingeplant.

Passionierte Schützen und die Jagdgenossenschaft spendeten für notwendige Investitionen. Eine neue Schützenkette (1974) und neue Luftgewehre wurden angeschafft. Schützenjacken und –hüte wurden bezuschusst.

Nach fast 90 Jahren, in dem das Gasthaus Glas die Schützengesellschaft beherbergte, wurde am 4. Dezember 1982 die letzte Jahreshauptversammlung abgehalten. Ludwig Glas baute eine moderne Metzgerei an diese Stelle.

Am 12. November 1983 fand die Jahreshauptversammlung im alten Schulhaus statt. Es konnte nur eine Übergangslösung sein. Provisorisch wurden im Dachgeschoss Schießstände aufgebaut.

1986 beschloss der Gemeinderat den Umbau. Am 22. Oktober 1988 war Eröffnungsschießen im alten Schulhaus oder besser gesagt, im neuem Vereinsheim.

 

 

 

Die Sanierung und Umgestaltung des Gebäudes, Modernisierung der Haustechnik und eine entsprechende Einrichtung wurden mit viel Eigenleistung und Spenden bewältigt. Die dörfliche Gemeinschaft erhielt ein neues Domizil. Die Bewirtung und besonders die Pflege der Räumlichkeiten ist von jungen aktiven Schützenkameraden übernommen worden und wird in vorbildlicher Art geführt.

Einen nachhaltigen Erfolg brachte das Gauschießen in Emmering am 25.05.1990. Johann Klostermayr holte sich unter 1200 Schützen die Königswürde mit einem 28,2 Teiler und die Frau für´s Leben.

Seit 1990 wird mit dem Kauf einer Luftpistole eine neue Variante geboten. Jeder Schütze kann seine Stärken testen und zum Vereinsmeister aufsteigen.

Als weiteres großes Ereignis in der Vereinsgeschichte war die Feier unseres 100-jährigen Gründungsfestes am 10.-12. September 1993. Als Patenverein könnte wie auch schon zur Fahnenweihe 1957 der Schützenverein Eichenlaub Hörbach gewonnen werden.

Am Freitag, den 10. September 1993 wurde das Fest mit dem Bieranstich durch unseren Schirmherrn und damaligen Bürgermeister Willi Herrmann eröffnet. Mit einem Tanzabend der Showband Dolce Vita endete dieser Abend.

Ein Standkonzert der Blaskapelle Steindorf und ein Musikantenwettstreit der Musikkapellen Schmiechen, Egling-Heinrichshofen, Moorenweis und Althegnenberg ließen den zweiten Abend ausklingen.

Höhepunkt des Festes war der Festgottesdienst im Zelt am Sonntag und der Festumzug von fast 100 Vereinen am 12. September1993.

Seit 2000 beteiligt sich unsere Jugend auch erstmals bei den Rundenwettkämpfen. Auch wurde am 05.08.2000 erstmals in Steindorf ein Sommerbiathlon veranstaltet.

Paul Wecker, der erste Bürgermeister unserer Gemeinde, stiftete 2003 einen Wanderpokal, der daraufhin jährlich ausgeschossen wurde.

Von der Jugend angespornt begann man 2002 auch in der Schützenklasse mit einer Mannschaft bei den Rundenwettkämpfen. Die Mannschaft war dabei so erfolgreich, dass uns bereits nach einer Saison der Aufstieg in die D-Klasse gelang. Dies animierte wiederum andere Schützen der Schützengesellschaft Steindorf, so dass sich in der Schießsaison 2003/2004 gleich zwei Mannschaften in der Schützenklasse und eine Mannschaft bei der Jugendklasse bei den Rundenwettkämpfen beteiligten.

Stefan Böttner gelang am 22. März 2003 beim Gauschießen in Maisach ein herausragender Erfolg. Er wurde Gauschützenkönig mit der Pistole.

Anlässlich unseres 110-jährigen Vereinsjubiläums veranstalteten wir am vom 29.09.03 bis 07.10.03 ein Preisschießen. Es beteiligten sich dabei folgende Vereine: Schmiechachtaler Schmiechen, Eichenlaub Hörbach, Almenrauch Steinbach/Eresried, Enzian Heinrichshofen, Almenrausch Hofhegnenberg/Hausen, Mandicho Merching, Bacherleh Steinach, SG Steindorf.

In der Siegerehrung am 25. Oktober 2003 wurden die Mandicho Schützen als Sieger ausgezeichnet. Ein Gedenkgottesdienst am nächsten Tag rundete die Feierlichkeiten ab.

2006 gewannen Monika Huber, Oliver Baum, Michael Dorschner und Sebastian Schmidt den Jugendbiathlon in Maisach.

Die Jahre 2009/2010 zählten zu den sportlich erfolgreichsten unserer bisherigen Vereinsgeschichte. Bei der Gaumeisterschaft in Maisach konnte Katharina Drexl als neue Gaumeisterin der Jugendschützenklasse weiblich hervorgehen. Zusammen mit ihrem Bruder Alexander (Luftpistole Schüler) und Ihrem Vater Josef Drexl (Luftgewehr Altersklasse) schaffte sie es zur bayerischen Meisterschaft nach Hochbrück auf die Olympia-Schießanlage. Erst wieder 2017 schaffte es Michael Metzger (Luftpistole) als ein Mitglied der SG Steindorf die bayerische Meisterschaft zu erreichen. Mit drei Luftgewehr-, einer Luftpistolen- und zwei Jugendrundenwettkampfmannschaften stellten wir uns in diesem Jahr im Gau Fürstenfeldbruck den anderen Mannschaften.

Durch die engagierte Arbeit der Jugendleiter und das Interesse der Jugendlichen am Schießsport und dem Vereinsleben sowie die Unterstützung des Schützengaus FFB mit A-, B- und C-Trainern wurden die Ergebnisse im Schützenverein über die Jahre hinweg kontinuierlich gesteigert.

Unsere Schützenjugend konnte den Schleipfercup und den Jugendbiathlon jeweils zweimal gewinnen, das Gaujugendrundenwettkampffinale für sich bestreiten und im Sparkassencup zweimal das Finale und einmal den zweite Platz erreichen. Bei einem Jugendrundenwettkampf im Jahr 2012 unserer Mannschaft mit den Schützinnen Drexl Katharina (286), Drexler Carmen (284) und Klostermayr Katharina (282) wurden 852 Ringe erzielt, was Gaurekord bedeutete.

Im Sparkassencup der Schützenklasse konnte unser Verein ebenfalls zweimal das Finale erreichen und erreichte einmal sogar den dritten Platz.

Bei den Gaumeisterschaften in dieser Zeit konnte unsere Schützenjugend in der Disziplin Luftpistole und Luftgewehr etliche Gaumeisterschaften gewinnen.

Mit einer Damenleiterin und einem Pistolenreferenten wurde unsere Vorstandschaft erweitert, woraus sich ergab, dass wir uns regelmäßig am Luftpistolenwanderpokalschießen und am Damenpokalschießen des Gaus beteiligten.

Viele gestiftete Ehren- und Königsscheiben mit den Motiven unserer dörflichen Umgebung, gemalt von Hiermüller Manfred aus Hattenhofen bei Egling, wurden bei den Schießabenden und Königsschießen ausgeschossen und verschönern seitdem unser Vereinsheim in der „Alten Schule“. Das Prunkstück dieser Scheibensammlung ist die Schützenmeisterstammbaumscheibe, gestiftet von unserem Schützenmeister Josef Drexl jun., die einmal jährlich ausgeschossen wird.

Klaßmüller Wolfgang gelang es am 16.03.2014 beim Gauschießen in Maisach mit einem 52-Teiler die Königswürde zu ergreifen. In unserer Vereinsgeschichte ist das nach Klostermayr Hans und Böttner Stefan die 3. Gaukrone.

Daneben werden regelmäßig die vom Schützengau angebotenen Lehrgänge „Standaufsicht“ und „Vorstufenübungsleiter“ von verantwortlichen Vereinsmitgliedern besucht.

Doch nicht nur auf sportlicher Ebene zeigte sich der Verein erfolgreich, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. So wurde 2014 ein Oktoberfestschießen mit den eigenen zwei Zimmerstutzen und gespendeter Brotzeit eingeführt und zum jährlichen Event. Im März 2016 veranstaltete die SG Steindorf zum ersten Mal ein Wattturnier in der Alten Schule, was aufgrund des durchschlagenden Erfolgs im nächsten Jahr gleich wiederholt wurde. In 2014 wurde das alljährliche Grillfest im Rahmen des Public Viewings der WM in der neuen Halle der Familie Huber-Pschorr abgehalten. Auch dieses Eventformat wurde in der Zukunft beibehalten.

Außerdem gehören Weihnachtsfeiern, Königsschießen, Grillfeste und weitere Aktivitäten zur Tradition der Schützengesellschaft Steindorf und finden im regelmäßigen Turnus statt.